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Verwaiste Eltern in der "Initiative für kritische Aufklärung über Organtransplantation" - KAO
Jürgen und Gisela Meyer
Eltern, denen ein Kind gestorben ist, erleben eine absolute
Katastrophe. Obwohl nichts grundlegend hilft, weil nichts unser
Kind zurückbringt, gibt es doch vieles, was die Katastrophe
verschlimmern kann, und einiges, was den Schmerz - manchmal erst
viel später - etwas lindern kann.
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der Umgang mit dem Kind
unmittelbar vor und nach dem Tod. Gerade bei plötzlichem Tod haben
Eltern kaum echte Möglichkeiten diesen Umgang zu beeinflussen, denn
sie funktionieren, wenn überhaupt, nur äußerlich. Innerlich sind
sie leblos und unter Schock. Sie tun meist alles, was Freunde,
Angehörige, Pfarrer, Ärzte, Bestatter sagen, auch wenn sie als
Eltern in ihrem tiefsten Herzen spüren, dass es eigentlich nicht
gut ist.
So ergibt sich aus vielen Berichten Verwaister Eltern, wie
ungeheuer heilsam es ist, wenn sie ihr Kind wenigstens im Sterben
begleiten konnten und genügend Zeit zum Abschied vom toten Kind
hatten. Viele kennen den unguten "Rat", dass sie doch das Kind so
in Erinnerung behalten sollten, wie es gelebt habe. Statt dessen
wäre es dringend notwendig gewesen, den Eltern den Abschied von
ihrem verstorbenen Kind zu ermöglichen, sie zu ermutigen, es noch
einmal zu sehen, es zu waschen und anzuziehen, es nach Hause zu
holen und es dort aufzubahren. Andernfalls leiden die Eltern ein
Leben lang unter dem fehlenden Abschied und dem versäumten letzten
Liebesdienst.
Viele Eltern, die hören, dass ihr Kind wegen einer schweren
Kopfverletzung die nächsten Tage nicht überleben wird, werden immer
häufiger mit Fragen nach einer Organspende bedrängt. Ihnen wird
eingeredet, dass beim Hirnversagen das Kind tot sei, was neuerdings
auch unter Medizinern immer mehr in Frage gestellt wird. Statt auf
die Bedürfnisse des Sterbenden und seiner Angehörigen, die ihr Kind
als lebenden Menschen wahrnehmen, Rücksicht zu nehmen, werden
Eltern mit der Verantwortung für einen kranken, völlig unbekannten
Dritten belastet. Das alles geschieht in der oben beschriebenen
Schocksituation, in der die Eltern eigentlich entscheidungsunfähig
sind und immer noch auf eine Wende zum Guten hoffen. Die
unreflektierte Angst der schockierten Eltern, nur nicht an noch
mehr Leid schuld zu sein, wird kühl ausgenutzt. Manchmal werden die
Organe des noch lebenden Menschen - unter dem Deckmantel der
Nächstenliebe - regelrecht eingefordert. Ärzte, die für diese
Angehörigengespräche mit dem Ziel der Organfreigabe besonders
geschult wurden, sagen häufig, es hülfe den Eltern in ihrer Trauer,
wenn die Organe des Kindes in einem anderen Menschen weiterleben
würden. Das mögen die Ärzte denken, die bereits ihre Fürsorge vom
Sterbenden, der nur noch wegen seiner Organe behandelt wird,
abgewendet und auf einen unbekannten Dritten gerichtet haben. Aber
was wissen die Ärzte schon darüber, was für Eltern in dieser
Situation gut ist? Tatsächlich ist für die meisten Eltern der
Gedanke überhaupt nicht tröstlich sondern abstoßend und
unerträglich, dass die Integrität des Körpers zerstört wird und
Teile davon in verschiedenen Menschen weiter existieren.
Eltern leben vielmehr schlecht mit der Erfahrung, ihr Kind im
schwächsten Moment auch noch im Stich gelassen, die
Sterbebegleitung den Chirurgen überlassen und geglaubt zu haben,
"Hirntot" sei der Tod des Menschen. Sie sind erschüttert, wenn
ihnen bewusst wird, dass der Hirntot ein Konstrukt der "modernen
Medizin" zur Organbeschaffung ist, dass Körper, Geist und Seele in
Wirklichkeit eine Einheit bilden, dass Sterben ein Prozess und der
Mensch mit ausgefallenen Hirnfunktionen ein Sterbender ist.
Eltern leben schlecht mit dem Wissen. dass die Organe nicht nach
dem Abstellen der Apparate entnommen werden, wie sie vielleicht
ursprünglich gedacht hatten, sondern dass dies bei
Aufrechterhaltung der Beatmung geschieht. Sie sind erschüttert zu
hören, dass der Blutkreislauf funktionieren muss, weil nur
durchblutete lebensfrische Organe verwertbar ("transplantabel")
sind, dass der "Hirntote" narkotisiert wird und Schmerzmittel
erhält, dass er auf Berührungen reagiert, dass er schwitzt und der
Blutdruck beim Schnitt mit dem Skalpell ansteigt.
Eltern leben schlecht, wenn sie erfahren, was bei einer
Multiorganentnahme alles entnommen wird, wenn sie begründete oder
unbegründete Zweifel haben, ob nicht auch verweigerte Organe
entnommen wurden, wenn sie lesen, dass auch Fehldiagnosen
vorkommen.
Als Verwaiste Eltern wissen wir, wie groß die Not de Menschen
sein muss, die trotz aller Probleme auf ein fremdes Organ hoffen,
die sich zur Rettung oder Besserung de Lebensqualität sogar den Tod
eines Menschen mit guten Organen wünschen müssen. Trotzdem darf das
Leid der Eltern, die ein Kind verlieren, nicht vergrößert werden.
Es ist unendlich traurig, nach einem Unfall zu spät zu kommen, so
dass nur noch der Abschied vom bereits Verstorbenen bleibt. Wie
wichtig ist es dann, dass wir ermutigt werden, ein sterbendes Kind
nicht zu verlassen, ihm die Hand zu halten, einfach da zu sein bis
zum letzten Atemzug und darüber hinaus.
Gerade wir Verwaisten Eltern können helfen, diese Ermutigung zu
verbreiten, auch wenn wir uns damit der allseits propagierten
Forderung nach mehr Spenderorganen entgegenstellen. Stehen wir
nicht oft mit unseren Gefühlen und Erkenntnissen allein? Wir können
mit unseren Erfahrungen für die Schwachen, Wehrlosen, die
Für-tot-Erklärten und deren Angehörige eintreten.
Wer Hilfe mit Erfahrungsaustausch sucht, kann sich gerne an die
Verwaisten Eltern in der "Initiative für kritische Aufklärung über Organtransplantation" - KAO wenden.
E-Mail: anfrage initiative-kao.de
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