Themenbereiche

Organentnahme

Wussten Sie schon...?

Lupe mit Schrift Organentnahme
  • Hirntote müssen auf dem Operationstisch festgeschnallt werden. Sie erhalten Medikamente zur Ruhigstellung.
     
  • Beim Einschnitt in den Körper kann es zu Blutdruck-, Herzfrequenz- und Adrenalinanstieg kommen. Bei anderen Operationen gelten diese Zeichen als Hinweise auf Stress bzw. Schmerz.
     
  • Viele Anästhesisten geben vorsichtshalber Schmerzmittel und Narkose, andere noch nicht einmal das. Kein Mensch weiß sicher, was der Hirntote empfindet.
     
  • Die Bauchdecke wird vom Hals bis zum Schambein aufgeschnitten. Die Hautlappen werden so gehalten, dass eine "Wanne" entsteht, die mit bis zu 15 Liter eiskalten Wassers gefüllt wird. Die Organe werden mit eiskalter Perfusionslösung durchspült, das Blut wird abgesaugt. Die Ärzte legen die Organe bei schlagendem Herzen frei und präparieren sie für die Entnahme.
     
  • Die Beatmungsgeräte und Monitore werden erst nach der Explantation abgestellt.
     
  • Ein friedvolles und behütetes Sterben, vielleicht im Beisein von Angehörigen, ist bei einer Organentnahme nicht möglich. Sterbebegleiter sind die Transplantationsmediziner, die in Teams anreisen und nacheinander die Organe entnehmen.
     

Zur Frage einer Aufklärung über Organspende erklärte Prof. Dr. jur. Hans Lilie, Geschäftsführender Direktor des Interdisziplinären Zentrums Medizin-Ethik-Recht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bei seinem Vortrag "10 Jahre Transplantationsgesetz - Verbesserung der Patientenversorgung oder Kommerzialisierung?" auf dem 110. Deutschen Ärztetag in Münster am 16. Mai 2007:

    "Anders als bei herkömmlichen Heileingriffen erfordert die freiwillige Erklärung zur Organspende keinerlei ärztliche Aufklärung.9 Eine Ausnahme von dem Verzicht auf ärztliche Aufklärung besteht nur bei der Einwilligung in eine Lebendspende gemäß 8 Abs. 1 Nr. 1b TPG. In allen anderen Fällen bleibt es den Einzelnen überlassen, sich selber die notwendigen Informationen zu besorgen, sodass eine Organspende auch dann zulässig ist, wenn der Betreffende sich für die Spende ausgesprochen hat, ohne über die Einzelheiten zuvor aufgeklärt worden zu sein. Dogmatisch erklärt sich das aus der Tatsache, dass es - anders als beim ärztlichen Heileingriff - bei der Organspende nicht um die Verletzung der körperlichen Integrität eines Lebenden und den damit verbundenen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht geht. Bei der postmortalen Organspende wird nur das über den Tod hinaus wirkende Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen verletzt, wenn die Organentnahme ohne Einwilligung erfolgt.10"

9 Nickel/Schmidt-Preisigke/Sengler, 2 Rd. 10.
10 Schroth/König/Gutmann/Oduncu, TPG 2 Rd. 7.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegekräfte e.V. (DBfK) stellt fest:
"Die Würde des Menschen und die Achtung vor dem Tod treten gegenüber den Interessen der Transplantationsmedizin und wirtschaftlichen Interessen zurück".

Pfeil hochNach oben
Pfeil linksZurück zur Themenübersicht